Realschule Heinsberg steigt in die Mini-Formel 1 ein

Heinsberger Schüler entwickeln einen Rennwagen für die Regionalmeisterschaft West des „Stem Racing“.

Den Weltrekord werden sie wohl nicht knacken. Der liegt bei weniger als einer Sekunde. Ein technisches Meisterwerk sollten Andreas Stassen und seine Schüler von der Realschule Heinsberg aber schon vollbringen, denn sie wollen einen Miniatur-Rennwagen im Stil der Formel 1 entwickeln und bei der Regionalmeisterschaft West am 28. Februar in der Festhalle Oberbruch ins Rennen schicken.

 

Dass Andreas Stassen sich mit seiner Schülergruppe dieser sehr ambitionierten Aufgabe stellt, liegt daran, dass es der Stadt Heinsberg gelungen ist, das deutsche West-Finale nach Heinsberg zu holen. Als Winfried Houben vom Schulamt und Oliver Laven vom Stadtmarketing in der Realschule vor den Sommerferien nachfragten, ob die Schule ein Team für das „Stem Racing“, dem Formel 1 Technologiewettbewerb für Schüler, stellen könnte, erklärte sich Andreas Stassen bereit, an den Start zu gehen. „Das hörte sich einfach spannend an“, so der Lehrer, der sich selbst als „Bastlertyp“ bezeichnet und sich in seiner Schul-AG mit seinen Schülern mit Robotik und 3-D-Druck beschäftigt. 

 

„Ich habe einige Schüler angesprochen, die waren alle Feuer und Flamme und hatten auch schon Ideen, wie sie sich einbringen können“, so Stassen. Schüler des Einhard-Gymnasiums Aachen seien bereits in die Realschule gekommen und hätten von ihren Erfahrungen aus dem Wettbewerb berichtet. „Sie haben das sehr professionell gemacht und uns einige Bedenken genommen, aber es sind auch neue entstanden, denn es geht um multidisziplinäre Herausforderungen auf hohem Niveau“, schmunzelt Stassen.

 

Gut fünf Monate hat er mit seinem Juniorteam nun Zeit, einen möglichst schnellen Miniatur-Rennwagen zu fertigen, der dann angetrieben von einer Gas-Patrone auf eine 20 Meter lange Rennstrecke geht und dabei auf bis zu 80 km/h beschleunigt. „Beim Wettbewerb geht es um Kreativität, technisches Verständnis und Unternehmertum, denn man muss Kontakte in die lokale Wirtschaft knüpfen, Partner und Sponsoren suchen und auch ein Marketingkonzept präsentieren“, erklärte Alexander Uelhoff von Stem Racing jetzt beim Besuch in der Realschule. Mit dem Wettbewerb möchte Stem Racing auf Mint-Berufe aufmerksam machen und Schüler und Unternehmen zusammenbringen.

 

Das Projekt sei eine große Herausforderung und reiche weit über eine Schul-AG hinaus. Man müsse auch Freizeit opfern, so Uelhoff, denn was die Schüler mit ihrem Lehrer machen, sei schon ein kleines Start-Up-Unternehmen. Der Lohn seien wertvolle Erfahrungen und Kompetenzen, die die Schüler erwerben – ebenso wie die Kontakte, die zu den Unternehmen in der Region entstehen. „Die Schüler lernen die Unternehmen kennen, und diese werden aufmerksam auf gute Schüler“, erzählt Uelhoff. Die Schüler müssten selbst entscheiden, welche Aufgaben sie im Team lösen können und welche Aufträge sie vielleicht an Partner vergeben. Uelhoff nannte als Beispiel die Autolackierung. Auch bei einer Vergabe müssten die Schüler aber lernen, welche Schichten bei der Lackierung aufgetragen werden.

 

Der komplette Korpus der Fahrzeuge dürfe aus dem 3-D-Drucker kommen, erklärte Martin Koldewey von Stem Racing. Für Einsteiger gebe es Workshops und Hilfen, wie Masterdateien oder ein Basis-Fahrgestell. Wichtig sei, dass das Fahrzeug nicht zu schwer wird. Und auch den vorgegebenen Raddurchmesser müsse man treffen, sonst gibt es Punktabzüge. Der kleine Rennwagen müsse die 20 Meter-Strecke in 1,8 Sekunden schaffen. Top-Teams liegen bei 1,1 Sekunden. Minimalziel sei aber das Ankommen, denn vor allem für Einsteiger sei der Regionalwettbewerb oft ein Lernprozess. „Es gewinnt nicht unbedingt das schnellste Auto, auch die Präsentation ist wichtig“, betonte Koldewey. Entscheidend sei auch nicht das große Budget, sondern das, was die teilnehmenden Gruppen lernen.

 

„Wir freuen uns sehr, dass die Stadt Heinsberg uns im 20. Jahr von Stem Racing Germany willkommen heißen und die Regionalmeisterschaft West ausrichten wird“, meinte Uelhoff. Bis zu 34 Teams aus Nordrhein-Westfalen und Hessen werden am Freitag, 27. Februar 2026, in der Festhalle Oberbruch ihre Stände aufbauen und der Jury ihre Autos vorstellen. Am Samstag, 28. Februar 2026, treten sie in den Rennen gegeneinander an. Gymnasien aus Aachen, Bonn und Hennef seien dank ihrer Erfahrung im Wettbewerb weit vorne zu erwarten. „Wenn die Autos an der Rennbahn aufgereiht stehen, ist es spannend zu sehen, was die anderen Teams gemacht haben. Das ist dann ein Lernen, Kennenlernen und Austauschen“, sagt Uelhoff. Die Jury werde Punkte vergeben für Fahrzeit, für Konstruktion und Design des Autos, aber auch für die Teamstände, Präsentationstische und das Wissen der Schüler.

 

Die Regionalmeisterschaft ist öffentlich zugänglich. „Die Gespräche an den Teamständen sind auch für andere Schulen eine gute Möglichkeit, den Wettbewerb kennenzulernen“, betont Uelhoff. Stephan Prein, Rektor der Realschule Heinsberg, und Bürgermeister Kai Louis unterstrichen, dass es enorm sei, mit welchen Fragen sich die Schüler in den kommenden Monaten beschäftigen müssen. Sie versicherten, dass sie Andreas Stassen und sein Team unterstützen und dass sie beim Rennen fest die Daumen drücken und das Team anfeuern werden. „Beim Rennen ist dann Adrenalin pur“, sagen die Experten von „Stem Racing“. Und wie es dann auch für die Realschüler aus Heinsberg ausgehen wird, eins sei ihnen gewiss: die hohe Wertschätzung aller Beteiligten für das, was sie erreicht haben.

Bürgermeister Kai Louis (v.l.), Schulamtsleiter Winfried Houben, Alexander Uelhoff und Martin Koldewey von Stem Racing und Rektor Stephan Prein drücken Andreas Stassen (rechts) und seinem Team die Daumen für die Teilnahme am „Stem Racing“. Peter Küppers